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ZB MED startet Prozess zur digitalen Souveränität
ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften hat ein Positionspapier zur digitalen Souveränität verabschiedet und bekennt sich damit als eine der ersten wissenschaftlichen (Infrastruktur-)Einrichtungen in Deutschland zu einem Fahrplan hin zu mehr technologischer Unabhängigkeit. Das Papier benennt klar die strukturellen Risiken digitaler Abhängigkeit und formuliert strategische Grundsätze, konkrete Kriterien für souveräne IT-Entscheidungen sowie Leitlinien für die Umsetzung.
Wissenschaft braucht digitale Handlungsfähigkeit
Die Abhängigkeit von einigen wenigen großen Technologiekonzernen ist längst kein rein wirtschaftliches Problem mehr. Aktuelle geopolitische Entwicklungen zeigen, dass Marktmacht auch für politische Zwecke eingesetzt werden kann. Für wissenschaftliche Einrichtungen entstehen daraus unmittelbare Risiken: für Datenschutz, Rechtssicherheit, Innovationsfähigkeit und die Glaubwürdigkeit offener Wissenschaft.
ZB MED reagiert auf diese Lage mit einem realistischen, schrittweisen Ansatz hin zur digitalen Souveränität. Im Mittelpunkt stehen drei strategische Felder:
- Flexibilität beim Einsatz und Wechsel digitaler Lösungen
- Gestaltungsfähigkeit durch eigene technische Kompetenzen
- Mehr Einflussmöglichkeiten gegenüber Technologie-Anbietern
Public money? Public code!
Das Positionspapier verknüpft digitale Souveränität mit den Werten offener Wissenschaft. Open Source Software ist für ZB MED kein technisches Detail, sondern ein strategisches Instrument: Sie fördert Transparenz, Nachnutzbarkeit und Kollaboration – Kernprinzipien von Open Science.
Während Open Source in der Entwicklung wissenschaftlicher Software bei ZB MED bereits Standard ist, gilt dies für die IT-Infrastruktur – von Büro-Software bis Lösungen zur Bereitstellung von virtuellen Maschinen – noch nicht. Genau hier setzt das Positionspapier an – und markiert den Beginn eines bewussten Transformationsprozesses.
Impuls für die wissenschaftliche Community
Positionspapiere zur digitalen Souveränität werden bislang vor allem von der öffentlichen Verwaltung, der Politik und der IT-Wirtschaft herausgegeben. Wissenschaftliche (Infrastruktur-)Einrichtungen, die diesen Schritt institutionell und mit konkreten Handlungsfeldern gehen, sind bisher eine Ausnahme.
„Digitale Souveränität ist kein Zustand, den man einmal erreicht – es ist ein kontinuierlicher Prozess“, stellt Prof. Dr. Dietrich Rebholz-Schuhmann, wissenschaftlicher Direktor von ZB MED fest. „Wir freuen uns, wenn andere Einrichtungen aus Wissenschaft und Forschungsinfrastruktur mit uns in den Dialog treten und wir gemeinsam Erfahrungen aufbauen.“
Realistisch starten – konsequent weitermachen
„Der Weg zur digitalen Souveränität bei ZB MED wird kein Spaziergang werden, sondern eher eine Fernwanderung – aber wir kennen das Ziel, wir haben die Navigation im Blick, und wir machen uns jetzt auf den Weg“, erklärt Franziska Fischer, Kaufmännische Geschäftsführerin von ZB MED.
Das Papier benennt klar: Eine sofortige Kostenersparnis ist nicht zu erwarten, die gewachsenen Abhängigkeiten sind komplex, der kulturelle Wandel braucht Zeit. Genau daher ist es erforderlich, den Prozess zu starten: Wer zu lange wartet, riskiert, dass die Abhängigkeiten sich noch vertiefen.
Das Positionspapier ist öffentlich zugänglich und richtet sich an interne und externe Stakeholder, an Partner, Förderer und die wissenschaftliche Gemeinschaft. ZB MED versteht es auch als Einladung zum gemeinsamen Handeln.
- Zum Positionspapier Digitale Souveränität bei ZB MED