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Journal Impact Factor und Alternativen

Bei der Auswahl einer Zeitschrift spielt nicht selten der Journal Impact Factor (JIF) eine wichtige Rolle. Darin wird häufig ein Ausdruck von Qualität gesehen, was nicht unbedingt zutreffend sein muss und daher nicht unumstritten ist.

Die Journal Impact Factors werden einmal jährlich in den Journal Citation Reports (JCR) veröffentlicht, die vom Informationsanbieter Thomson Reuters als kommerzielles Produkt vertrieben werden. Als Berechnungsgrundlage dienen die in der multidisziplinären Zitationsdatenbank „Web of Science“ erfassten Zeitschriften aus den Kollektionen „Science Citation Index“ und „Social Science Citation Index“ und den darin verzeichneten Zitierhäufigkeiten. Es handelt sich also lediglich um einen Ausschnitt von Zeitschriften und nicht alle weltweit erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschriften. Zudem wird die Zitierhäufigkeit bestimmt durch die Zitationen im Web of Science und nicht alle denkbaren Zitationen. 

Immer mehr Open-Access-Zeitschriften oder Zeitschriften mit einer Open-Access-Option bemühen sich um eine Aufnahme in das Web of Science und somit um einen Impact Factor. 

Bitte beachten Sie: Bei Open-Access-Zeitschriften handelt es sich häufig um Neugründungen. Zeitschriften müssen aber mindestens drei Jahre im Web of Science vertreten sein, damit ein Journal Impact Factor berechnet werden kann.

Viele Hochschulbibliotheken haben die Journal Citation Reports abonniert. Diese sind dann über das Web of Science abrufbar, allerdings nur, wenn man sich im IP-Bereich der jeweiligen Einrichtung befindet bzw. wenn über „remote access“ der Zugriff von außen eingerichtet wurde. 

Leider ist es nicht möglich, in den Journal Citation Reports nach Open-Access-Zeitschriften zu filtern. 

Um zu ermitteln, für welche Open-Access-Zeitschriften Journal Impact Factors vorliegen, eignet sich die Zeitschriftendatenbank Ulrichsweb. Hier lassen sich Zeitschriftenlisten nach „frei zugänglich“ (also Open Access) und „Journal Citation Reports“ (für diese Zeitschrift liegt ein Journal Impact Factor vor) filtern. Allerdings lassen sich hierüber keine Journal-Impact-Factor-Werte abrufen. 

Bei Ulrichsweb handelt es sich um ein kommerzielles Produkt. Dieses ist nur abrufbar, wenn die jeweilige Hochschulbibliothek die Datenbank auch abonniert hat und wenn man sich im IP-Bereich der jeweiligen Einrichtung befindet bzw. wenn der Zugriff von außen über „remote access“ eingerichtet wurde.

Auch Verlage mit Open-Access-Programm bieten häufig eine Übersicht über die Impact Factors. Dies kann in Form einer Liste angeboten werden oder auch auf den Websites der jeweiligen Zeitschriften.

Verlage mit Open-Access-Programm und Übersicht zu Impact Factors

Bentham Science
BMJ
BioMed Central
Copernicus 
Emerald Publishing
De Gruyter
Frontiers 
SpringerOpen

Kritik am Journal Impact Factor

  • Der Journal Impact Factor wurde ursprünglich dazu entwickelt, Bibliotheken eine Hilfestellung für die Auswahl der Zeitschriften zu geben, welche sie idealerweise für ihr Fachgebiet abonnieren sollten. Es ist also ein Instrument zur Bewertung von wissenschaftlichen Zeitschriften, wird aber mittlerweile zur Bewertung von Forschungsleistungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern herangezogen.
  • Die Zitierhäufigkeit wird nicht selten mit der Qualität einer Zeitschrift gleichgesetzt. Dies ist aber unzutreffend. Die Zitierhäufigkeit kann lediglich für Aussagen über die Wirkung eines wissenschaftlichen Artikels herangezogen werden, weniger für die inhaltliche Qualität der Ergebnisse.
  • Die Journal Citation Reports mit den Journal Impact Factors für ein Jahr erscheinen immer im Sommer des Folgejahres und berücksichtigen die zwei dem Berichtsjahr vorausgehenden Jahre. Der Journal Impact Factor einer Zeitschrift beispielsweise für das Jahr 2013 berechnet sich dabei wie folgt: Anzahl der Zitationen in 2013 auf Publikationen der Zeitschrift aus den Jahren 2012 und 2011 geteilt durch die Anzahl der in 2012 und 2011 erschienenen Artikel. Im Zähler werden dabei Zitationen auf alle Artikel der Zeitschrift aus den beiden Jahren einbezogen, im Nenner werden allerdings nur bestimmte Artikeltypen berücksichtigt.
  • Ein Journal Impact Factor von 1,9 bedeutet, dass jeder Artikel aus 2012 und 2011 in 2013 im Durchschnitt 1,9mal zitiert wurde. Zitationen sind dabei – mathematisch formuliert – schief verteilt: Wenige Publikationen werden häufiger als 1,9mal zitiert, viele Artikel seltener oder gar nicht. Der Journal Impact Factor sagt somit nichts darüber aus, wie häufig ein einzelner Artikel zitiert wurde.
  • Der Journal Impact Factor ist nicht normalisiert, d.h. er berücksichtigt nicht das spezifische Zitierverhalten eines Faches. JIFs von Zeitschriften aus unterschiedlichen Fachgebieten lassen sich deshalb nicht miteinander vergleichen. Selbst innerhalb einer Disziplin kann das Zitierverhalten variieren. Dies sorgt dafür, dass auch hier der JIF einer Zeitschrift nur bedingt vergleichbar ist.
  • Das standardmäßig zur Berechnung verwendete Zitatfenster von zwei Jahren ist für viele Disziplinen zu kurz, um die Wirkung der Publikationen zu erfassen. In manchen Disziplinen dauert es länger, bis wissenschaftliche Ergebnisse rezipiert werden. Selbst das in den Journal Citation Reports zusätzlich verwendete Zitatfenster von fünf Jahren ist insbesondere für Disziplinen in den Sozial- und Geisteswissenschaften noch zu kurz. Für die Lebenswissenschaften dürfte dies allerdings ausreichend sein.
  • Der Journal Impact Factor ist anfällig für Manipulationen: Er kann durch Selbstzitate auf die jeweilige Zeitschrift künstlich erhöht werden.
  • Die Zitierhäufigkeit einer Zeitschrift ist auch abhängig davon, welche Dokumenttypen sie veröffentlicht. So werden Review-Artikel (Überblicksartikel) deutlich häufiger zitiert als andere Dokumenttypen. Zeitschriften, die viele Review-Artikel publizieren, können daher mehr Zitationen für sich verbuchen und haben tendenziell einen höheren Journal Impact Factor.

Aufgrund der oben angesprochenen Kritikpunkte ist der Journal Impact Factor als alleiniges Merkmal zur Auswahl einer Zeitschrift oder gar als Mittel zur Bewertung von Forschungsleistungen unzureichend.

Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat sich darüber hinaus auch gegen die alleinige Verwendung des Journal Impact Factors bei der Bewertung von Forschungsleistungen ausgesprochen (zum AWMF-Positionspapier). 

Weitere zitationsbasierte Metriken und Altmetrics

Aufgrund der Kritik am Journal Impact Factor sind weitere Metriken entstanden, die wir hier in Auswahl vorstellen: 

SCImago Journal Rank (SJR) und Source Normalized Impact per Paper (SNIP)

Der SJR und SNIP sind zwei relativ junge Zeitschriftenmetriken und basieren auf den Daten der bibliografischen Datenbank Scopus. Während Scopus eine kommerzielle Datenbank ist, sind die Indikatorwerte frei im Web verfügbar. Beide arbeiten im Unterschied zum Journal Impact Factor mit einem Zitatfenster von drei Jahren. 

Prinzipiell wird der SJR ähnlich berechnet wie der Impact Factor: Es werden die Zitationen im Berichtsjahr auf Artikel aus den drei vorherigen Jahren gezählt und durch die Anzahl der in den drei vorherigen Jahren erschienenen Artikel geteilt. Dabei fließt aber auch das Prestige (Wie häufig wird diese Zeitschrift wiederum von anderen zitiert?) der zitierenden Zeitschriften mit ein. 

Der Indikator SNIP gleicht die Unterschiede im Zitierverhalten unterschiedlicher wissenschaftlicher Felder aus, indem die durchschnittliche Zitierhäufigkeit der Artikel einer Zeitschrift mit der durchschnittlichen Zitierhäufigkeit (im Sinne eines Zitationspotenzials) der Artikel des Feldes normalisiert wird. Damit werden Zeitschriften besser vergleichbar. Ein SNIP-Wert von 1 bedeutet, dass die Zeitschrift im Hinblick auf die Zitierhäufigkeit dem Durchschnitt des wissenschaftlichen Feldes entspricht.

Obwohl beide Metriken durch entsprechende Modifikationen Schwachstellen des Journal Impact Factors zu beheben versuchen, können diese lediglich für den Vergleich von Zeitschriften verwendet werden. Sie eignen sich nicht für die Einschätzung von individuellen Forschungsleistungen.

h-Index oder Hirsch-Index

Der h-Index ist eine Metrik, die die Publikationsleistung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stärker in den Blick nimmt. Dabei wird die Publikationsliste der Autorinnen oder Autoren absteigend nach Zitierhäufigkeit sortiert. Dort wo Rangplatz und Zitierhäufigkeit identisch sind, liegt der h-Index der Autorinnen und Autoren. Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht die Ermittlung des h-Index:

Rangplatz Zitierhäufigkeit
1 45
2 30
3 23
4 10
5 8
6 6
7 4
8 2

Ein h-Index von 6 bedeutet dann, dass die Autorin/der Autor mindestens 6 Artikel hat, die mindestens 6mal zitiert worden sind. Auch der h-Index ist nicht unproblematisch, so berücksichtig dieser beispielsweise nicht die Unterschiede im Zitierverhalten in den unterschiedlichen Fächern. Daher lassen sich Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Fächern nicht unbedingt miteinander vergleichen. Zudem kann selbst ein gänzlich unterschiedliches Publikationsverhalten dazu führen, dass zwei Autorinnen oder Autoren den gleichen h-Index haben. Dies erschwert insbesondere den Vergleich von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die unterschiedlich lange Karriereverläufe haben. Hierzu folgendes Beispiel:

Zitierhäufigkeit

Rangplatz Autor/in A Autor/in B
1 63 14
2 53 12
3 43 11
4 34 10
5 25 9
6 16 8
7 7 7
8 1 6
9 4
10 3
11 2
12 1

A hat 8 Artikel veröffentlicht, B 12. Obwohl die Publikationen von A in den vorderen Rangplätzen deutlich häufiger zitiert werden als die von B, erzielen beide einen h-Index von 7. Aus diesem Grund eignet sich auch der h-Index nicht, die Leistungen von einzelnen Autorinnen und Autoren zu bewerten. 

Prinzipiell kann der h-Index auch für andere Dokumentmengen verwendet werden. So können damit z.B. auch ganze Zeitschriften oder Themengebiete vermessen werden. Hierzu werden die Artikel einer Zeitschrift oder eines Themengebietes ebenfalls nach Zitierhäufigkeit sortiert. Der h-Index lässt sich in diversen Datenbanken (wie z.B. Scopus) abrufen.

Altmetrics

Aufgrund der oben beschriebenen Probleme, die aus den zitationsbasierten Impact-Messungen resultieren, werden in jüngster Zeit Alternativen für die Messung von Forschungs- und Publikationsleistungen diskutiert. Diese werden auch als Altmetrics bezeichnet. Der Begriff setzt sich zusammen aus den englischen Begriffen alternative und metrics und meint alternative (im Sinne von ergänzende) Kennzahlen zur Messung der Wirkung einer Publikation. Altmetrics setzen in erster Linie auf Soziale Medien, um die Wirkung von wissenschaftlichen Publikationen zu messen (z.B. Weiterverbreitung des Artikels über Twitter und Facebook oder Bookmarking-Systeme wie Mendeley). Altmetrics sind derzeit noch in den Anfängen. Die Frage nach der Interpretierbarkeit bestimmter alternativer Kennzahlen ist ebenfalls noch nicht geklärt. Generelles Ziel ist es aber, Alternativen zur bisherigen Impact-Messung auszuloten. Altmetrics ermöglichen es auch, Kennzahlen für weitere Forschungsleistungen (z.B. Veröffentlichung von Forschungsdaten oder Posten von Blogbeiträgen) zu erheben und deren Verbreitung nahezu in Echtzeit zu messen. Zudem sind Altmetrics auf ein Item bezogen, das heißt sie messen die Wirkung eines wissenschaftlichen Artikels oder eines Blogbeitrags. Andere Metriken wie zum Beispiel der Journal Impact Factor messen die Wirkung einer Zeitschrift und können für wissenschaftliche Artikel nur durchschnittliche Werte angeben. Es gibt eine Reihe von Tools, mit denen man alternative Kennzahlen für seine Publikationen ermitteln kann. 

Tools zur Ermittlung von Altmetrics

Altmetric Explorer
ImpactStory 
Plum Analytics
Webometric Analyst 

Verlage mit alternativen Kennzahlen

PLOS ONE
Wiley
Taylor & Francis

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